Mir klingen noch die Worte im Ohr, die ein erfahrener Rennradkollege einmal über mich gesagt hat: „Der Nico, der kennt seine Grenzen noch nicht!“ Und Recht hatte er damit. Doch der heutige Tag hat einen Wendepunkt in meinem Leben herbeigeführt und diese Aussage trifft nun nicht mehr zu.
Angespornt durch meinen zweiten Marathon vor drei Wochen und dadurch auf einem recht guten Level an körperlicher Fitness befindlich, wollte ich den heutigen 10km Volkslauf nicht einfach nur so mitrennen, sondern ich wollte mein Bestes geben, mich einmal so richtig angehen. Beim Start stand für mich fest, dass ich mich an die Fersen der Topläufer heften muss, um am Ende eine persönliche Bestzeit erreichen zu können. Dies gelang mir anfangs auch ganz gut. Doch schon nach einigen Kilometern stellte sich bei mir ein relativ schwerer Atem ein, den ich bis dahin nicht kannte. Erschwerend hinzu kam eine Strecke, die alles andere alles flach ist. Auch wenn mich die Steigungen sogar ein Stück weit motivierten, da ich mit meinem geringen Gewicht etwas näher an die vorderen Läufer heranlaufen konnte, so zog sich das Vorderfeld aus meinen Augen spätestens beim Gefälle wieder auseinander. Es war eine Tortur bei diesem ständigen Auf und Ab das Tempo für meine Verhältnisse hochzuhalten. Gegen Ende des Laufes fiel mir das Atmen immer schwerer und das Gestöhne beim Ausatmen ließ sich nicht mehr abstellen. Hinzu kam der so oft beschriebene Tunnelblick. Das Ziel – in meinem Fall der Vordermann – wurde fokussiert und rings herum verschwamm alles. Die Augen klappten viel länger zu als gewöhnlich. Die letzten Kilometer zogen sich wie Kaugummi, die Kilometerschilder ließen ewig auf sich warten. Ich musste mir selbst schon gehörig Dampf machen, um mich weiter voran zu schleppen und die Schmerzen zu ignorieren. Immer stärker ließ die Konzentration nach und ich lief wie in Trance… Auf einmal lag ich im grünen Gras mit hoch gehobenen Beinen. Es war eine Stelle kurz nach dem Zieleinlauf. Wie ich dahin gekommen bin, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Mein Körper hatte sich ohne mein Bewusstsein allein ins Ziel geschleppt.
Zum einen bin ich aufs Neue verblüfft, was der menschliche Körper zu leisten im Stande ist, angetrieben von Geist und Willen. Zum anderen bin ich überglücklich, dass diese Lektion so glimpflich ausgegangen ist. Vielleicht war es keine kluge Entscheidung, auf dieser Strecke einen Bestzeitversuch zu starten. Doch kenne ich nun meine Grenzen und werde diese in Zukunft beherzigen. Denn dem Laufen bleibe ich weiterhin treu!
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